LIEBESBRIEF – EIN BEISPIEL
«Seelenlos»

Unsere Beispiele:
«Seelenlos» | «Wortlose Liebe» | «Entschuldigung»

 
Die Bestellerin hatte uns ihre vielen Fehler beschrieben, die sie innerhalb dieser Beziehung gemacht hatte. Fehler, die irreparable Schäden hinterliessen. Nicht nur, dass ER sie verliess, es blieben viele Wunden zurück. Nach Wochen entschloss sie sich «meiner Seele» einen Abschiedsbrief zu schreiben. In der Bestellung, die mit einem Zitat über die Mächtigen begann, hiess es: "Wir waren lange zusammen wie im luftleeren Raum, besser noch – wir befanden uns in einem grossen Meer der Gefühle, die ich nicht wahr haben wollte. Dann sind unsere Seelen ertrunken".
 
Dies ist unser Vorschlag:
 
Für meinen Peter.
 
Die Mächtigen sind in Ruhe zu lassen – sie besitzen die Macht. Die Ohnmächtigen sind auch in Ruhe zu lassen – sie besitzen einen Traum. Nichts als diesen Traum.
 
«Meine Seele» wurde mir genommen. Ich sollte lernen ohne nichts zu leben. Es ist so schwer, aussichtslos, es tut weh. "Meine Seele" hat die Gefühle zurückgezogen, sterben lassen. Warum habe ich das zugelassen, warum habe ich nicht gekämpft, warum habe ich «Meine Seele» nicht mit meinen Gefühlen überhäuft? Statt dessen sitze ich hier und schreie: «Meine Seele ist weg! Ich habe nicht zugehört, habe nicht einmal mir selbst, meinem Inneren zugehört – ich bin ohnmächtig!»
 
Lieber Peter,
 
durch meine Sturheit habe ich alles zerstört, habe sogar meine eigenen Illusionen kaputt gemacht. Habe es sogar so weit getrieben, dass ich körperlich wie seelisch krank geworden bin, kann nicht mehr schlafen, wache schweissgebadet auf, kann nicht mehr lachen, kann nicht mehr arbeiten, habe meine Orientierung verloren – habe mich in die Einsamkeit gestürzt. Schmerzen.
 
«Meine Seele», warum? Warum konnte ich mich nicht treiben lassen? Meine Lügen sind unverzeihlich – ich war zu feige um sie mit Dir, meine Seele, gemeinsam aufzuarbeiten. Jetzt sind meine Illusionen, unsere Träume, mein Leben untergetaucht, entzogen, entrissen – gestorben. Ich wünschte mir nichts mehr als Geborgenheit, Ehrlichkeit, Verständnis. Daraus hätte unser gemeinsames Leben entstehen sollen. In unserem Häuschen wäre die absolute Gemeinsamkeit noch stärker geworden. Die roten Rosen im Schlafzimmer hätten die Liebe gezeigt. Es tut so weh, meine Seele, ich leide. Ich weiss, es ist zu spät. Ich will aber nicht dass es so ist!!!!!!
 
Dein letzter Brief ist so schön, so hilfreich, vermittelt so viel Geborgenheit, aber ich habe die Zeit nicht mehr genutzt. Als ich spürte dass die Strömung Dich von mir wegtreibt, habe ich mich in die Einsamkeit zurückgezogen. Jetzt bleibt mir nur die Erinnerung an die letzten beiden Nächte die ich mit meiner Seele verbringen durfte. Und jetzt weiss ich, dass man kämpfen muss, dass man Gefühle zeigen muss. Jetzt lerne ich so vieles, - aber leider erst jetzt. Ich wäre so gerne glücklich. Ich will nicht mehr verletzen!
 
Zu spät!
 
Seit Stunden bin ich nun mit Dir im Gespräch. Ab und zu alleine sein ist schön, aber nur wenn man weiss, dass zu Hause jemand voller Vertrauen wartet. Ich habe dieses Vertrauen zerstört. Ich weiss nun, dass man nichts von seinem Stolz verliert, wenn man Gefühle zeigt. Im Gegenteil – nur so kann der Partner die Persönlichkeit belassen, nur so kann man sein wie man ist – mit Gefühl und Ehrlichkeit.
 
Mit meiner Seele zu sprechen hat mir gut getan – und so weh. Es war unser letztes Gespräch – es war möglich, weil Du mich gelehrt hast, meine Gefühle zu offenbaren. So tief musste ich sinken, bis ich zu meinem wirklichen Inneren dringen konnte. Ich lerne, ich versuche zu spüren, ich versuche Vertrauen zu geben. Hilf mit, meine Seele!
 
Aber Du bist weggetrieben – doch noch spüre ich Dich. Die Wellen die Du erzeugt hast werden ewig um mich sein. Und ich werde glücklich sein auf diese Art von Dir berührt zu werden. Denn im Ozean der Gefühle geht nichts verloren. Auch wenn ich verloren bin!
 
Seelenlos

(Natürlich wurden Umstände und Namen ersetzt. Diskretion geht «liebesbrief» über alles)