Ist die rosarote Brille verschwunden, entpuppen sich Paarbeziehungen als harte Arbeit. Das ist normal und gut so. Keine Beziehung funktioniert, ohne dass beide Seiten sich selbst und gegenseitig reflektieren und sachlich miteinander über Probleme kommunizieren. Problempotenzial gibt es selbst in der harmonischsten Beziehung. Während das eine Paar sich über nicht zugedrehte Zahnpastatuben streitet, haben andere mit Seitensprüngen zu kämpfen. Dabei mag eine Affäre zwar die populärste Krise in einer Beziehung sein, der häufigste Paarkonflikt liegt jedoch viel tiefer – und ist damit gleichzeitig der Kern vieler anderer Probleme. Gemeint sind Schieflagen.

Fehlende Augenhöhe

Als Schieflage bezeichnen wir einen Beziehungskonflikt, bei dem die Partner nicht auf Augenhöhe miteinander stehen. Das kann bewusst passieren, ist aber allzu häufig ein unbewusster Mechanismus, dem nicht selten ein seit Kindesbeinen festgesetztes Mann-Frau-Gefälle zugrunde liegt. Dabei ist es jedoch nicht immer so, dass sich der Mann als übergeordnet ansieht. Auch andersherum kommen Schieflagen immer wieder vor – nicht selten als Versuch der Frau, sich in keine stereotype Rolle drängen zu lassen –, und selbst bei gleichgeschlechtlichen Partnern finden sie sich wieder.

Emanzipation der Frau

Bis heute ist es so, dass der Mann sich in der Versorgerrolle sieht – eine Ansicht, die trotz veralteter Konzeption in der modernen westlichen Welt ihren Stellenwert behalten hat. Allein dadurch entsteht eine Schieflage, denn oftmals sieht die Frau sich in der untergeordneten Position, arbeitet möglicherweise nicht oder verdient schlichtweg weniger und kümmert sich um Haushalt und Kinder. Kommt es dann jedoch irgendwann zur Emanzipation und die Frau kommt auf die Idee, selbst zu arbeiten oder kann sich gar von vornherein nicht mit der passiven Rolle abfinden, ist der Konflikt vorprogrammiert. Der Mann sieht seine Stellung, mit der er sich identifiziert und stabilisiert, gefährdet und die Beziehung droht zu kippen.

Zu hohe Anspruchshaltung

Andersherum neigt manche Frau aus Perfektionismus dazu, verschiedenste Aufgaben an sich zu raffen und sie selbst zu übernehmen, weil der Partner sie in ihren Augen nicht zufriedenstellend erfüllt. Das kann der Haushalt sein, die Urlaubsplanung oder nur die Ordnung beim Decken des Mittagstisches. Die Grundlage dafür ist nicht selten der Glaube, es besser zu wissen, oder einfach nur der Drang, dem Partner zu gefallen. Das Ganze resultiert über kurz oder lang in Stress und Überforderung der Frau, die sie nicht mehr allein bewältigen kann. Der Partner umgekehrt hat sich mit diesem Konzept längst angefreundet und sich zurückgezogen, immerhin macht er es ohnehin nicht richtig. Warum sollte er es also versuchen?

Kommunikation als wichtigstes Werkzeug

Der beste Weg, um einer Schieflage in der Beziehung zu begegnen, ist Kommunikation. Fast in jeder Beziehung wird zu wenig über wirklich relevante Dinge und Konflikte gesprochen. Für manches Paar kann eine gemeinsame Therapie der richtige Weg sein, um die Schieflage zu beheben.

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