Du wirst Dir die Freude vorstellen können, die ich bei dem Durchlesen Deines Briefes empfand – die Wehmuth in die ich zerschmolz, als Du mich so freundlich so süß so liebend anredetest – Nie habe ich mich mehr gesehnt an Deiner gesegneten Brust zu ruhen als in dem Augenblick – wie ist es doch möglich, daß wir jemals harte Worte mit einander wechseln konnten, bei so viel Liebe! Guter himmlischer Mensch, ich fühle, daß ich nur mit Dir ein Ganzes ausmache, und daß Deine Stärke dazu gehört, um mich im Gewirr des Lebens aufrecht zu halten, von dem ich seit Deiner Abwesenheit so viel empfunden habe, daß ich jeden Augenblick segne wo ich ein ewnig ruhen und mich einsam niedersetzen kann.

Lange hab ich auf Deinen Brief gewartet, zuletzt täglich auf die Post geschickt – er ist vom Donnerstag und ich erhielt ihn erst am Sonntag – ich gerieth in Angst endlich glaubte ich am Sonnabend bestimmt, Du würdest zurückkehren und die Ordnung in Deiner Stube wurde im Ganzen eiligst hergestellt, so daß Du um 7 Uhr durch Weniges gestört worden wärest. Nun wußte ich nicht, was ich denken sollte. Gott sei gelobt daß ich den Tag darauf erlöst wurde. Daß Du nicht ein Wort vom Tage Deiner Wiederkunft sagst; ist mir unbegreiflich. ich bitte Dich bei der Güte Deines Herzens, daß Du mir es ankündigst, damit ich meinem süßen Menschen gleich mit allen Bequemlichkeiten entgegenkommen kann, die ihm sein Haus wieder zum Liebsten machen können. Die 14 Tage werden bald abgelaufen sein und Du wirst doch nicht länger ausbleiben? Komme bald mein bester guter Mann, meine Puppe, mein Leben – mein treustes gutes Herz in die Arme Deiner Caroline

Karoline Richter an Jean Paul Friedrich Richter | Montags 10. Juni 1811

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