Ihr sandtet mir Nachricht aus den Kämpfen in Frankreich, versichert mich Eurer Liebe, aber tadelt mich gleichzeitig, ich ließe es an zärtlicher Hingabe in meinen Briefen fehlen.
Vielleicht ist der Tadel berechtigt. Obwohl meine Seele Euch brennend liebt, schweigt mein Mund, denn zur Keuschheit des Weibes gehört es, daß sie in Worten ihre Leidenschaft verbirgt. Das wurde uns schon als Kind gelehrt. Gedenke ich Eurer und der Gefahren, die Euch bedrohen, so krampft sich mein Herz zusammen; höre ich von Euern Taten, so berauscht das Glück meinen Verstand, aber in Gedanken hab ich Euch stets vor mir, und ich vergehe vor Sehnsucht nach Eurer Nähe. Lamoral, wäre ich ein Bürgermädchen, schon tausendmal hätte ich Euch gesagt und geschrieben: Ich liebe Euch, und mein Leib bangt sich nach einer Umarmung. Aber der Gattin des Grafen Egmont geben erst der Krieg und Euer Tadel meiner Kälte den Mut dies zu tun. Möge Gott Euch behüten, damit ich es Euch noch unzählige Male sagen kann, was ich jetzt – errötend und zugleich beglückt – geschrieben habe.

Eure Euch über alles liebende

Sabina

 

Sabina Gräfin Egmont

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